Selbstverständnis

Es könnte so schön sein: die Produktivität steigt und steigt, immer weniger Arbeit wird eigentlich benötigt, um ein menschenwürdiges Leben für alle zu garantieren. Und dennoch haben wir immer mehr Stress: entweder wir werden auf Arbeit verheizt, in der Schule oder der Uni für den Überlebenskampf gedrillt oder auf den Ämtern schikaniert. Das Leben der meisten Menschen ist von Angst bestimmt – der Angst, den Job zu verlieren, allein zu sein, den Anschluss zu verpassen.

Wir sind eine Gruppe von Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen (vom Azubi und Studenten bis hin zum Arbeitslosen und Vollzeitmalocherin). Was uns eint, ist unsere Lohnabhängigkeit, was bedeutet, dass wir alle unsere Arbeitskraft am Markt anbieten müssen, um so wenigstens die Miete zu zahlen und den Kühlschrank zu füllen.

Wir haben uns zu einer Ortsgruppe der Freien ArbeiterInnen Union (FAU) zusammengeschlossen,

weil wir überzeugt sind, dass das bestehende ebenso unsinnige wie menschenverachtende System einer organisierten Gegenwehr bedarf.

Wir sind der Meinung, dass politische Feierabendaktivitäten und isolierte Kämpfe gegen Rassismus, Sexismus und die Ausbeutung unseres Planeten nicht ausreichend sind, wenn wir die heutigen Herrschaftsstrukturen ernsthaft in Frage stellen wollen. Die FAU versucht daher, Widerstand zu organisieren und Veränderungen dort zu erstreiten, wo wir selbst am meisten betroffen sind: auf Arbeit, dem Amt, in der Uni und Schule oder in unserem Lebensumfeld im Stadtteil.

Im Gegensatz zu den DGB-Gewerkschaften fühlen wir uns nicht der Sozialpartnerschaft verpflichtet, die eine gütliche Einigung zwischen ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen vorsieht. Wir stehen uneingeschränkt auf der Seite der Lohnabhängigen und setzen uns nur für ihre Interessen ein – eigentlich die ursprüngliche Zielsetzung einer Gewerkschaft.

Die FAU versteht sich als eine anarchosyndikalistische Gewerkschaft – ohne Funktionäre und fette Kassen, aber mit dem Ziel der Überwindung des Kapitalismus und mit ihm aller Formen von Ausbeutung und Unterdrückung. Deshalb ist die Solidarität zentraler Bestandteil unseres Selbstverständnisses. Bei uns wird niemand allein gelassen. Wir kämpfen gemeinsam und unterstützen einander. Allein die Mitglieder entscheiden, wofür sie kämpfen und auf welchem Wege sie ihre Ziele erreichen wollen. Das ist nicht nur effizienter und flexibler als die Stellvertretungspolitik der DGB-Gewerkschaften, sondern fördert auch die Fähigkeit zur gesellschaftlichen Emanzipation. Man kann durch Kämpfe nur lernen, wenn man sie selbst führt.

Eine Gewerkschaft sollte den Rahmen für soziale Kämpfe auf allen Gebieten bieten. Betriebsarbeit ist für uns nur ein Aspekt gewerkschaftlicher Arbeit. Wir müssen uns beispielsweise auch Fragen von Geschlechtergerechtigkeit und Ökologie zuwenden, wenn wir das Übel an der Wurzel packen und die herrschenden Macht- und Eigentumsverhältnisse in Frage stellen wollen. Nur eine solche Gewerkschaft wird in der Lage sein, einen erfolgreichen Klassenkampf von unten zu organisieren.

Wir beschäftigen uns mit Fragen des Arbeits- und Sozialrechtes, um uns gegenseitig bei Auseinandersetzungen mit dem Chef oder der Sachbearbeiterin unterstützen zu können. Schließlich beabsichtigen wir natürlich, die Auseinandersetzung am eigenen Arbeitsplatz oder auf dem Amt – gemeinsam mit Kolleg_innen und Bekannten zu führen.

Damit wir selbst in der Lage sind, Auseinandersetzungen – auch auf globaler Ebene – zu verstehen, wollen wir eine kontinuierliche und zielgerichtete theoretische Debatte führen und regelmäßig öffentliche Diskussionen oder Infoveranstaltungen, aber auch Lesungen oder Konzerte organisieren.

Bei all unseren Aktivitäten wollen wir die Kontakte zu unseren Mitstreiter_innen in den anderen Ortsgruppen und Syndikaten der FAU, wie auch international in der Internationalen Arbeiter_innen Konföderation (IKA) nutzen.

Das ist ein nicht eben geringer Anspruch – verglichen mit der Größe unserer Gewerkschaft. Um unsere Ansprüche wirksam umsetzen zu können, brauchen wir natürlich möglichst viele Mitstreiter_innen. Vielleicht kannst du uns ja dabei unterstützen?

Keine Angst – wir sind und brauchen keine Politprofis oder Berufsrevolutionäre. Und nicht jeder muss sich an allem beteiligen, was wir tun. Uns ist klar, dass die meisten nur über ein arg beschränktes Zeitbudget verfügen. Selbst nur den Beitrag zu zahlen, ist schon eine Hilfe.

Falls du also

  • Probleme auf der Arbeit/mit dem Amt hast oder andere in ihren Auseinandersetzungen unterstützen möchtest,
  • dich kritisch mit den gegebenen Arbeitsverhältnissen auseinandersetzen möchtest oder
  • Interesse an der Geschichte der libertären Arbeiterbewegung hast,

dann bist du bei uns genau richtig.

[ssba]