PATRIARCHAT BESTREIKEN – Gewerkschafter*innen für eine feministische Streikbewegung

 

Im Rahmen des „Internationalen Frauen*kampftags“ am 8. März fanden in den letzten Jahren zahlreiche Proteste, Demonstrationen, direkte Aktionen und Streiks statt. In mehr als 40 Ländern auf der ganzen Welt, unter anderem in Spanien, den USA, Südkorea, Italien, Polen und Argentinien, sind Frauen, inter, trans und nichtbinäre Menschen immer wieder auf die Straße gegangen. Sie protestierten gegen Gewalt und Unterdrückung, gegen Einschränkung ihrer reproduktiven Rechte und gegen herrschende Ungleichheiten und Diskriminierung in der Arbeitswelt. Obwohl im Zuge des Rechtsrucks feministische Bewegungen und ihre Errungenschaften bekämpft werden, schließen sich immer mehr Menschen diesen Protesten an. Im letzten Jahr haben sie ihren bisherigen Höhepunkt in Spanien erreicht, wo sich mehrere Millionen Menschen in zahlreichen Orten am Generalstreik beteiligten. Auch unsere Schwesterngewerkschaften aus Spanien (CNT) und Polen (IP) nahmen aktiv an den Frauen*streiks teil.

Als selbstorganisierte Basisgewerkschaft von Lohnabhängigen (also Arbeiter_innen, Angestellten, Gefangenen, Selbstständigen, Erwerbslosen, Hausfrauen*/-männer*, Rentner_innen, Schüler_innen, Studierende, …) streben wir danach, unsere Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbessern. Das schaffen wir durch gegenseitige Hilfe im Alltag und gewerkschaftliche Kämpfe. Wir streben danach, den Kapitalismus und das Patriarchat zu überwinden. Diese Kämpfe müssen ebenfalls gegen Rassismus und transnationale Ausbeutung gerichtet sein, da all diese Herrschaftsverhältnisse miteinander verwoben sind.
Unser Ziel ist die Befreiung von jeder Ausbeutung, Unterdrückung und Herrschaft. Streik, das Verweigern von (bezahlter oder unbezahlter) Arbeit, ist dabei unser wirksamstes Mittel. Nur durch kollektives Handeln können wir soziale Emanzipation und Selbstbestimmung erreichen.

Deshalb rufen wir alle zur Beteiligung an der weltweit wachsenden feministischen Streikbewegung auf. Gemeinsam mit unseren internationalen Schwesterngewerkschaften werden wir Solidarität zeigen mit allen Frauen* und von Sexismus Betroffenen weltweit. Wir wollen die alltäglichen Kämpfe unterstützen, egal ob zu Hause, im öffentlichen Raum oder am Arbeitsplatz. Organisieren wir uns gemeinsam für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen – für alle!

Feminismus in die Offensive – Wir fangen gerade erst an!

fem*fau
feministische AG in der Freien Arbeiter*innen-Union (FAU)
femfau-kontakt@fau.org

* „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es.“ Simone de Beauvoir

 

Jeder Tag ist Kampftag! – Veranstaltungen rund um den 8. März

Ein Zusammenschluss aus Einzelpersonen und einzelnen weiblichen Mitgliedern von verschiedenen politischen Gruppen aus Magdeburg, an dem auch die FAU Magdeburg beteiligt ist, organisiert eine Veranstaltungsreihe rund um den Frauenkampftag 2019.

Alle Informationen und Termine findet ihr hier:

JederTagistKampftagMD.noblogs.org

Auch wir werden in diesem Rahmen zwei Veranstaltungen auf die Beine stellen:

Am 15.2.2019 zeigen wir den Film „Die Frauen der Solidarnosc“ und am 19.3.2019 besuchen uns die Genoss_innen der AG Feministische Kämpfe der FAU Dresden und referieren zu „Feminismus und Gewerkschaft“.

 

Filmvorführung: „Die Frauen der Solidarność“

19 Uhr, Infoladen Salbke (Libertäres Zentrum), Alt Salbke 144

Der Film „Die Frauen der Solidarność“ erzählt die bisher kaum beachtete Geschichte der in der polnischen Solidarność engagierten Frauen. Anfang der 1980er Jahre zählte die freie und selbstverwaltete Gewerkschaft „Solidarność“ über 10 Millionen Mitglieder. Die Hälfte davon waren Frauen. Viele von ihnen waren jahrelang in der Opposition aktiv. Nach dem offiziellen Verbot der Solidarność 1981 waren es in erster Linie Frauen, die die konspirativen Untergrundstrukturen aufbauten und die Bewegung weiterführten. Aber kaum eine von ihnen hatte eine Funktion in den Führungsgremien der Gewerkschaft inne. Die Solidarność und ihr langjähriger Anführer, der Friedensnobelpreisträger Lech Wałęsa, wurden zu Ikonen des gewerkschaftlichen und demokratischen Widerstands. Die Frauen, die sich unter erheblichen persönlichen Risiken und Opfern in der Solidarność engagierten, sind im öffentlichen Bewusstsein dagegen fast nicht präsent. Die Regisseurin Marta Dzido hat sich auf die Suche nach diesen vergessenen Frauen gemacht. Sie fragt nach ihrer Rolle in der Oppositionsbewegung in den 1970er und 1980er Jahren, nach ihren Motiven für ihr Engagement und zeichnet ihre Lebenswege nach der Wende 1989 nach. Sie versucht herauszufinden, warum die Erinnerung an die „weibliche Seite“ der Opposition so komplett in Vergessenheit geraten ist.

Trailer: https://de.labournet.tv/die-frauen-der-solidarnosc

Kundgebung: Solidarität mit dem Aufstand der Gelbwesten!

Kundgebung, Dienstag 05.02.19

Alter Markt, 16-18 Uhr

Der 5. Februar könnte zu einem wichtigen Tag für die Menschen in Frankreich werden. Die Gelbwesten-Bewegung ruft heute zu einem Generalstreik auf. Aus weitgehend unkoordinierten Protesten auf der Straße wird nun eine Ausweitung auf die Betriebe angestrebt, der Ort, wo die „Krisengewinner“ am wirksamsten getroffen werden können.
Die Bewegung entzündete sich im Protest gegen die „Ökosteuer“. Dies war ein weiterer Angriff der neoliberalen Regierung von Macron auf die unteren Schichten. Die Erhöhung der Benzinpreise, genauso wie die Arbeitsmarktreform 2017, trifft alle Lohnabhängigen. Die ersten Methoden des kollektiven Kampfes waren die Besetzungen von Kreisverkehren und Autobahnen, sowie allwöchentliche große Demonstrationen. Aber es wurde erkannt, dass das nur der Anfang der Selbstermächtigung über das eigene Leben sein kann. Diese Entwicklung inspirierte viele Menschen, sich mit „ihren“ – uns alle angehenden – Themen von Ökologie, Ökonomie, Bildung und Antisexismus in die sozialen Proteste einzubringen.
In den hiesigen Medien werden aber vor allem die Ausbrüche von Wut und Gewalt – der Demonstrierenden, nicht etwa der Polizei – in den Mittelpunkt der Berichterstattung gestellt. Dabei ist die Wut der Objekte von Macrons neoliberalem Projekt durchaus verständlich – und angesichts der alltäglichen Gewalt, die allein durch die schamlose Bereicherung einer Klasse von Kapitalisten, Managern und Politikerinnen und der daraus resultierenden zunehmenden Verarmung ganzer Bevölkerungsschichten ausgeübt wird, mit Abstand das kleinere Übel.
Macron kommen diese Proteste denkbar ungelegen. Durch die Rücknahme einiger sozialer Grausamkeiten der jüngsten Vergangenheit versucht er, „sein“ wütendes Volk zu beruhigen. Gleichzeitig antwortet er mit mehr Polizeigewalt, Einschränkung der Demonstrations- und Meinungsfreiheit.
Die Menschen verstehen, dass der Parlamentarismus an seine Grenzen gelangt ist und erkennen, dass nur sie selbst in der Lage sind, über ihr Leben bestimmen. Sie organisieren sich nun in Basis-Versammlungen und schöpfen in ihnen neue Kraft. Inzwischen sind sie dabei, ihre Proteste landesweit in der „Versammlung der Versammlungen“ zu koordinieren. In Commercy kamen am letzten Januar-Wochenende über 100 selbstgewählte Delegationen aus dem gesamten Land zusammenkamen und riefen zu eben jenem Generalstreik auf.
Mit diesem Kampf für die Selbstermächtigung der Gelbwesten möchten wir uns heute hier solidarisieren, und ihnen zeigen, dass Menschen überall auf ihrer Seite stehen.

Kämpft weiter und haltet durch!
Gegen Ausbeutung – für eine solidarische Welt!