Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen von AMEOS

In den vergangenen Wochen hat es an verschiedenen AMEOS-Standorten in Sachsen-Anhalt mehrere Warnstreiks gegeben. Mehr als 1.800 Beschäftigte haben in Bernburg, Aschersleben, Staßfurt, Schönebeck und Haldensleben die Arbeit niedergelegt, um bessere Bezahlung zu erreichen. Ver.di hatte die Klinikleitungen bereits im Juli zu Tarifverhandlungen aufgefordert, AMEOS verweigerte diese konsequent. Stattdessen wurden die MitarbeiterInnen zu Einzelgesprächen gebeten, die mehrheitlich aus Drohungen bestanden haben.

Der Regionalgeschäftsführer von AMEOS, Lars Timm, ist in der Vergangenheit schon mehrfach durch gewerkschaftsfeindliches Handeln aufgefallen. Während eines Streiks an dem AMEOS-Klinikum in Hildesheim drohte er mehreren Beschäftigten mit fristlosen Kündigungen und Versetzungen. Am Ende musste AMEOS alle Kündigungen zurücknehmen und einen Tarifvertrag auf dem Niveau des öffentlichen Dienstes schließen. Auch im aktuellen Konflikt droht Timm den Beschäftigten: Ihre Forderungen würden 800 Stellen kosten und Schließungen von ganzen Abteilungen nach sich ziehen.

Nach den Warnstreiks hat das Unternehmen 20 MitarbeiterInnen in Sachsen-Anhalt fristlos gekündigt. Entlassen wurden KollegInnen, die sich an den Warnstreiks in der vergangenen Woche beteiligt hatten; darunter ein schwerbehinderter Kollege. Laut Ver.di entbehrten die Begründungen für die Kündigungen jeder Grundlage.

Mit der Privatisierung der Kliniken durch AMEOS vor sieben Jahren wurden die Gehälter eingefroren, das Weihnachtsgeld abgeschafft und die Arbeitszeit auf 35 Stunden reduziert. Momentan werden die Beschäftigten nach Haustarifen bezahlt. Damit liegen sie rund 600 Euro unter dem regionalen Durchschnittsgehalt der Branche. Die Beschäftigten fordern mit der Gewerkschaft ver.di den Abschluss eines Anwendungstarifvertrags zum Flächentarif TVöD.

Zur schlechten Bezahlung kommen die miserablen Arbeitsbedingungen in in den Kliniken. Eine Krankenschwester aus Staßfurt berichtete der Volksstimme: „Eine Krankenschwester erledigt die Arbeit, die früher drei erledigt haben. Wir steuern in eine gefährliche Pflege. Man geht nicht mehr mit einem guten Gefühl nach Hause und ist auch mal schroff zu den Patienten. So möchten wir nicht arbeiten. Einige sind krank und haben psychische Probleme bis zum Burnout. Die hätten sonst mitgestreikt. Wir haben immer weniger Kolleginnen. Teure Leiharbeiter wurden geholt, die Belegschaft wird immer älter. Wenn diese in Rente geht, bricht das Chaos aus. Zu dem Lohn fängt doch keiner mehr bei Ameos an. Aber wir haben keine Angst mehr. Wovor denn?“.

Da die Warnstreiks bisher keinen Erfolg zeigten, ist der nächste Schritt eine Urabstimmung der Beschäftigten über einen Erzwingungsstreik. Der Marburger Bund hat diese Urabstimmung bereits durchgeführt, die große Mehrheit der ÄrztInnen ist zum Streik bereit. Ein Erzwingungsstreik ist unbefristet und kann sich über Wochen hinziehen.

Wir unterstützen die Forderungen der KollegInnen bei AMEOS.

Wir verurteilen die schäbigen und gewerkschaftsfeindlichen Methoden der Geschäftsführung.

Wir fordern die sofortige Wiedereinstellung der gekündigten KollegInnen.

Wir zeigen uns solidarisch mit den streikenden KollegInnen und wünschen ihnen Kraft und Entschlossenheit für den weiteren, hoffentlich erfolgreichen Arbeitskampf.

[ssba]

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